Eifersucht und Verlassenheitsangst als Folge von Trauma – verstehen und verändern lernen

Eifersucht und Verlassenheitsangst als Folge von Trauma – verstehen und verändern lernen

By am Okt 5, 2015 in Aus meiner Arbeit | 2 Kommentare

Kennst du dieses Gefühl von Panik, vermischt mit Ohnmacht und Wut – wenn plötzlich ein Film in dir abläuft, dass dein Partner oder Partnerin dich betrügt? Diese weichen Knie, wenn du vielleicht sogar zuschauen mußt, wie er oder sie beim Tanzen oder bei einer zufälligen Begegnung jemanden anderen nah kommt, so nah, das es dir entsetzlich weh tut. Panik setzt im ganzen Körper ein, Denken ist unmöglich und gleichzeitig kommt Wut – warum dir das angetan wird.

Ich zeige dir aufgrund meiner eigenen Erfahrungen und eines Aufstellungsbeispiel aus meinen Ganz Werden Beratungen (mit den Trauma – und Bindungsgrundlagen nach Prof. Franz Ruppert), weshalb DU und DEIN  Körper bei Eifersucht und drohendem Verlust des Partners/Partnerin so intensiv reagierst, ohne es steuern zu können! 

Weshalb das eine Folge von Trauma sein kann,  und wie ich (du kannst das auch!) es geschafft habe, einen machbaren, dauerhaften Weg von der Angst zu gesunder, stabiler Liebe zu finden.

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Trauma und Angst verstehen lernen: woher kommen solch intensive Gefühle?

Oft ist bei  Eifersucht eine ähnliche Konstellation in der Familie – hier ein konkretes Aufstellungsbeispiel aus meinen Beratungen:

Wir nennen sie mal Anna, 53 Jahre alt, aus Deutschland, aus einem Elternhaus kommend, wo beide Eltern als Kinder den Krieg erlebt haben. Beide Eltern selbst schon schwer traumatisierte Eltern (die Großeltern von Anna) haben und in einem Umfeld von existentieller Not (zwei Kriege!), starker Vernachlässigung (Hunger, viel Arbeit, Überlebenskampf), körperlicher Gewalt und sexuellen Übergriffen (viele Frauen – unsere Großmütter und Mütter –  waren zu ihrer existentiellen Not auch noch sexuellen  Gewalt ausgesetzt, ohne sich daraus befreien zu können).

 

Anna kam auf mich zu, weil sie Verlassenheitsängste und starke Eifersucht kannte und endlich die Liebe, ihr Frausein, Vertrauen und eine gesunde, erfüllende Beziehung finden wollte.

Sie stellte im Einzelsetting das Anliegen: „wie überwinde ich meine Eifersucht?“

Ich fühlte mich stellvertretend aus ihrem Anliegensatz (nach der Methode und den Grundlagen von Prof. Franz Ruppert) in den Anteil „Eifersucht“ ein:

…in diesem Anteil „Eifersucht“ fühlte ich totale Todesangst.

„Lass mich nicht allein!“...

war ein panischer Gedanke, ein Aufschrei im ganzen Körper, gefühlt von einem jungen Mädchen.

Lähmung, Panik, Entsetzen, Ohnmacht – alles sehr intensive Gefühle und der Blick zu meiner Mutter – verzweifelt.

Es war der verzweifelte Versuch einer Tochter, die über einen bestimmten Zeitraum von einer männlichen Bezugsperson aus dem Umfeld, sexuell missbraucht wurde, die Mutter am weggehen zu hindern – um nicht wieder der sexuellen Gewalt ausgesetzt zu sein. 

Als ich wieder aus der Stellvertreter Rolle gegangen bin, haben Anna und ich vermutet,  das dieser „Eifersucht“ – Anteil, ihre eigene Mutter als Jugendliche war – die in diesem Alter sexuellen Missbrauch erlebt hatte und  keinen Schutz von ihrer Mutter hatte.

Sexuelle Gewalt löst in den Opfern Todesangst, Scham, Schmerz und das Gefühl von tiefer Wertlosigkeit aus. Diese Todesangst hatte Anna auf der Ebene ihrer Beziehung erlebt, in Form von Eifersucht und Angst – verlassen zu werden, obwohl es erstmal zum Trauma ihrer Mutter gehört.

Diese Vermischung von Gefühlen ist eine symbiotische Verstrickung, die als Folge von sexueller Gewalt und Bindungstrauma entsteht. 

.Als zweiten Anteil hat sich Anna für ihr „ich“ aus dem Anliegen-Satz entschieden, und ich fühlte mich dazu wieder stellvertretend ein:

…in diesem Anteil, obwohl ich ja das „ich“ war!, hatte ich keinerlei Kontakt zu Anna. Ich fühlt mich wie ein jugendliches Mädchen, was von ihrer Mutter mit deren Trauma-Gefühlen von Angst, Scham, Not, überflutet wurde.

Ich hatte als dieses junge „ich“ das Gefühl – Mutter für die eigene Mutter sein zu müssen. Gleichzeitige totale Überforderung im Kontakt mit der Mutter (die ja selbst sehr traumatisiert war und dies verdrängte) mit einen tiefen Grundgefühl: „ich bin falsch“ war zu spüren.

Und das allerwichtigste: der „ich“ Anteil konnte keinen Kontakt in Anna selbst herstellen, ich war in einer „Spaltung“, ich war NICHT in der Realität (im Alter eines Kindes!) und NICHT in Verbindung mit Anna. 

.Anna war nun sehr berührt und kam sich aufgrund ihres eigenen Verstehen und Erkennens der Zusammenhänge, fühlbar und sichtlich näher. Sie wurde weicher und ruhiger. Sie kam mehr in der Realität an, Traurigkeit und Mitgefühl stellte sich ein.

 

Die Figuren sind von Tatjana Lehnen: www.stellaufmaenchen.de Danke!

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Erst wenn Anna mit der Zeit immer mehr in einen echten, einfühlenden Kontakt mit sich selbst kommt, kann sie aus der Symbiose (Verschmelzung mit dem Trauma der Mutter) herausfinden – und gleichzeitig können die Dramen, Eifersucht und Angstzustände als Ablenkung im Außen aufhören und sich Annas eigene Gefühle zeigen und Bindung entsteht ♥.

 

 

Eifersucht als Re-Inszenierung von Gewalt und Trauma –

wir erleben was wir kennen!

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Wachsen wir in einer Umgebung auf, in der Gewalt, Angst und Not zum Alltag gehören,

sind dies extrem starke Gefühle mit einer hohen Intensität. 

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Statt natürlicher Geborgenheit, Zuneigung und Freude erfährt man Gefühle und Zustände, die nicht auszuhalten sind. 

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Nur durch das Trennen vom eigenen „ich“ und dem Spalten in verschiedene Teilpersönlichkeiten und

dem Verdrängen der Erinnerungen und Zusammenhänge,

wird es möglich,

in so einer zerstörerischen, anstrengenden und oftmals auch lebensbedrohlichen BINDUNG zu bleiben.

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Als Erwachsener Mensch können wir dies Verstehen lernen

und das Fehlende von damals Fühlen und Integrieren:

Ganz Werden

 

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Der Schein trügt manchmal: Eifersucht als Folge von Gewalt und Bindungstrauma!

 

Feedback von Anna (Name und Einzelheiten verändert, aber eine reale Aufstellung und ein wertvoller Schritt zu einer gesunden Identität!):

„Ich bin Mitte 50. Meine innere Unzufriedenheit, fehlende Selbstliebe und meine Abhängigkeit vom Partner haben mich bewegt, mit Sabine zu arbeiten. Ich möchte endlich zu mir selber finden. Und meine belastende und große Eifersucht überwinden.

Jede Aufstellung mit „dem Anliegen“ hat mir eine große Erkenntnis gebracht. Viele meiner Gefühle gehören gar nicht zu mir, sondern wurden von mir vor langer Zeit in der Kindheit übernommen. Sie wurden jedoch als meine eigenen Gefühle angenommen und haben mich leiden lassen und zu unbewussten Reaktionen geführt. Dies zu erkennen und zu akzeptieren war schon ein großer Schritt in Richtung Heilung.

Die größte Erkenntnis ist für mich bislang, dass diese übernommenen Gefühle vor allem mit Angst und Hilflosigkeit zu tun haben. Ich bin aber heute nicht mehr hilflos. Ich habe die Möglichkeit, bewusst zu handeln und mich zu schützen. Ich kann sogar den Menschen oder Ort verlassen, der mir nicht gut tut. Früher – als Kind – konnte ich das nicht.

Dies setzt jedoch voraus, dass ich mit mir verbunden bin und auch verbunden bleibe.

Mir hat das Arbeiten mir Sabine Klarheit gebracht. Die Hintergründe meines Leidensweges sind aufgedeckt worden. Meine Heilung ist noch nicht vollständig erfolgt. Aber ich bin bewusster und mitfühlender mit mir selber geworden. Ich bin zuversichtlich und vertrauensvoll, dass ich es schaffe, endlich bei mir anzukommen.“

 

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Bei persönlichen Fragen und auch mit meiner Ganz Werden Akademie bin ich von Herzen gern da,

Sabine

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    2 Kommentare

  1. Sehr aufschlussreiche Gedanken!

    Petra Brand

    8. September 2016

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