„Sich verlieren“ und „neben sich stehen“ – als Folge von Trauma

„Sich verlieren“ und „neben sich stehen“ – als Folge von Trauma

By am Nov 21, 2016 in Aus meiner Arbeit | 4 Kommentare

Sich selbst verlieren – kennst du das? Die Erkenntnis, wieder mal ganz viel getan oder auch gelitten zu haben, aber im Grunde nichts zu erreichen, sich leer und erschöpft fühlen. Auch die Schwierigkeit, in nahen Beziehungen bei sich zu bleiben, sich zu spüren, zu zeigen und da zu sein. All dies können Folgen von frühen Bindungs-, Gewalt und Identitätstraumata sein.

„ich steh neben mir“, oder „ich hab halt mitgemacht – aber eigentlich will ich etwas anderes für mich“ und ähnliches könntest du kennen, wenn du unter den Folgen von einer Spaltung und frühen Traumata leidest.

Die Trennung in uns selbst, von uns selbst, von unserem „ich“ ist ein Schutz, eben nicht alles, was uns persönlich betrifft – zu spüren und an uns ranzulassen. Dieser Schutzmechanismus wird von sogenannten Überlebens-Ich-Anteilen (nach den Theorien und meinen persönlichen Erfahrungen von Prof. Franz Ruppert) ausgeführt.

Inzwischen fühle ich mich in den Einzel-Aufstellungen mit dem Anliegensatz auch in einzelne Anteile aus dem Anliegensatz ein. Sogar über Telefon und (manchmal auch Skype) lassen sich detailgenau Hintergründe, Umstände, Gefühle und Personen erkennen – eine sehr wirksame Methode, um die Spaltung in sich selbst zu verstehen und überwinden zu lernen.

Bewährt haben sich auch einfach kleine Schritte, mit viel Verstehen und sich selbst in der Gegenwart halten und fühlen lernen.

Also wenn ich mich einfühle und dann z.b. in einem Überlebens-Ich-Anteil bin, spüre ich manchmal einen Schutzring als Puffer um mich.

Bin im Nebel, es ist grau und mit niemanden verbunden.

Oder es ist ein Glas- oder Metallring um mich – in der Stellvertreterrolle.

Ich wechsle dann wieder zurück in meine Rolle als Begleiterin und wir sprechen in aller Ruhe über das Erfahrene und Erlebte. 

Die Aufstellende erzählt dann oft: ja genau diese Gefühle und Zustände kenne ich von mir und sie blockieren mich. Manchmal kommt da auch schon ein tieferer Zusammenhang.

Überlebens-Ich-Anteile

haben auch die merkwürdige Besonderheit, das sie enorm viel Energie in Projekte stecken können. Ich bin dann (aus diesem Anteil und der Schutzhaltung heraus) mit aller Kraft ständig damit beschäftigt:

  • Etwas zu verändern
  • Etwas zu erreichen
  • Etwas zu inszenieren
  • Mich zu übernehmen
  • Mich als Opfer zu fühlen
  • Mich über andere aufzuregen
  • Endlich mit aller Kraft den Partner zu bekommen – so wie ich es mir vorstelle.

Und diese Anteile sind echt tricky ;-)… Kaum hat man einen entdeckt, wandeln sie sich schon wie von alleine in die nächste Überlebensstrategie. Von der einen Sucht zur anderen…

Und was suche ich eigentlich?

Wie kann ich diesen kräftezehrenden Kreislauf durchbrechen?

Es reicht nicht zu erkennen, dass ich eine Überlebensmuster und Anteile habe, die mich führen (obwohl ich etwas anderes will…eigentlich…). Es reicht auch nicht zu merken, ich steh schon wieder neben mir, ich bin taub und wie ferngesteuert.

Aber es ist ein Anfang – dies zu erkennen UND gleichzeitig dir bewusst zu machen:

Ich habe eine Spaltung in mir, also wird es etwas für mich als Kind (meist kommt es auch der frühen Kindheit) gegeben haben, was so zuviel für mich war:

Dass ich nicht mehr ICH selbst bleiben konnte

und mich selbst verlassen musst.

Das der Schmerz, oder die Nichtbeachtung, oder die Übergriffe oder der Kontakt mit meinen (meist auch traumatisierten Eltern) für mich überflutend und bedrängend war.

 

Die Psyche rettet uns in diesen Momenten durch die Trennung in uns selbst, weil der Stress im Körper durch diese totale Überforderung und Not nicht zu verarbeiten ist (lebensbedrohlich!).

Damit dies nicht passiert und du ÜBERLEBEN kannst, finden die Spaltungen in uns statt. Die Not und die Scham, den Schmerz und die Angst tragen Trauma-Ich-Anteile und bleiben in einer Schockerstarrung zu damaligen Alter stehen. Eingefroren im Entsetzen. 

Ein „Nicht-Dasein“, ein „mich verloren fühlen“, Überlebensstrategien zu entwickeln  – ist allemal leichter, als wie der Schmerz, den niemand Erwachsener indem Moment sehen und mitfühlen will. Mit dem ich alleingelassen bin (als Kind) und komplett überfordert. 

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Zurück zu dir – im jetzt 

Findest du im Verstehen von diesem ganzen Zusammenhang. Das Verstehen ist der erste Schritt, du entwickelst und stärkst damit dein gesundes-Ich-Bewusstsein.

Wir erkennen die Illusionen, auf denen wir uns bewegen. 

Allein das Erkennen ist ein wertvoller Schritt in unserem Bewusstwerdungsprozess. Deine Illusionen könnten platzen und gefühlt landen wir dann am Boden. Am Boden der Wahrheit – welcher dir Halt und Basis geben wird – für deine Liebesfähigkeit.

Mit den Anliegensatz kannst  du dir selbst konkrete Fragen stellen und die Antwort auch in dir finden lernen, auch dies stärkt deine Autonomie (dein gesundes Ich!).

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Zurück zu deinem ICH

Findest du immer mehr durch das innere Wachsen und Verantwortung übernehmen. Du kommst immer mehr in der Gegenwart an –

und verlierst dich nicht mehr, weil du Bindung mit dir selbst entwickelst.

Wir entwickeln sozusagen ein neues, gesundes Erwachsenen ICH

Dies öffnet innere Türen und du kommst mit der Zeit in Kontakt mit den Trauma-Ich-Anteilen von damals.

Je nach Kundin ist der Prozess verschieden, die eine fühlt es plötzlich beim Yoga, bei einer Massage, eine andere träumt oder hat einfach in der Stille Erinnerungen. Oder es passiert in der gemeinsamen Aufstellung und oft auch im Prozess am Telefon, mit inneren Bildern, Fühlen und gleichzeitigem „dableiben – bei dir“. 

Die ganze verdrängte Not, die Hilflosigkeit und Angst der kleinen-Ich-Anteile wird sich nochmal zeigen, mit dem heilsamen Unterschied:

Du bist nun die Erwachsene

und kannst die ganzen Gefühle aushalten und in Resonanz mit dir selbst fühlen und verarbeiten. Das stärkt die Verbindung in dir, du kommst in deinen eigenen Kontakt und kannst

Da sein und da bleiben. Auch in Beziehung – bleibst du einfach du selbst.

 

Auch in deinen Liebesbeziehungen. In deiner Familie und wo immer du es dir wünscht:

Du wirst selbstbestimmt und handlungsfähig – aus deinem eigenen gesunden Ich-Zentrum.

Übrigens darf ich das in den Beratungen / Aufstellungsprozessen als Begleiterin oder Stellvertreterin auch miterleben, wie wunderbar es sich anfühlt, endlich mit sich selbst in einen heilsamen Kontakt zu kommen. Sogar über Telefon und Skype sind dann Wellen von Liebe, von Nähe und Verständnis spürbar.

Über ganze Kontinente hinweg, ich liebe es, wenn sich so ein Heimkommen ereignen kann.

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Wie Weihnachten !

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Empfehlenswert dazu ist auch das Buch meiner Kollegin Vivian Broughten:

Zurück in mein ich .

Bei persönlichen Fragen freu ich mich über einen Anruf oder eine Email von dir,

von Herzen Sabine 

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    4 Kommentare

  1. Spannender Blog und sinnvolles Thema. Viele Menschen haben Traumatas zu verarbeiten und auch ich arbeite dies mit vielen Menschen auf. Diese Seite ist aber besonders wertvoll, weil sie speziell das Thema der Traumaverarbeitung aufgreift. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg! LG Helga Biebers

    Helga Biebers

    25. Februar 2017

    • Liebe Helga,
      vielen lieben Dank für dein wertvolles Feedback, ja – ich liebe diese Verbindung von Trauma, Bindung und Astrologie.

      lieben Gruß Sabine

      Sabine

      26. April 2017

  2. Dein Blog ist wahnsinnig gut !!Eine Gabe,
    die Dinge auf den Punkt zu bringen

    Carly

    28. November 2016

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