Wie entsteht ein Symbiose Trauma?

Kennst du, dass du schon sehr viel an Gefühlen und Emotionen in dir und in deinem Leben gefühlt hast? Das du eigentlich schon richtig müde und resigniert bist, weil du eben trotz der vielen inneren Kind Arbeit, des vielen Fühlen und auch Wahrnehmen von dem, was da in dir ist, nicht in deine Kraft und nicht in erfüllende Beziehungen und Leben kommst.

Oder auch: du hast ja probiert zu fühlen, aber es geht partout gar nicht.

Für mich macht das total Sinn und ich erkläre dir jetzt sehr gerne, wie ich durch meine eigenen Erfahrungen mit mir selbst und auch im Prozess mit meinen Kundinnen und Kunden, diese Erkenntnis mehrfach bestätigt bekommen habe. Achtung: der Text ist ein wenig länger und ich schreibe auch über Folgen von sexueller Gewalt im Krieg. 

Symbiose Trauma – wenn Gefühle, sogar innere Kind-Anteile symbiotisch z.b. die deiner Mutter, verschmelzen

Manchmal fühlen wir uns unendlich traurig, und finden nicht den Grund.

Oder du fühlst dich bedroht, oft sogar von Männern, Partner/innen, auch von Nähe bedroht und weißt nicht warum.

Du hast Angst, dass etwas plötzlich einbrechen, zusammenbrechen, explodieren könnte. Kurz: permanente Angst, dass etwas Schlimmes passiert.

Hier könnte ich dir noch ganz viel aufzählen, was ich von mir selbst kenne und auch, was sich in meinen Traumaberatungen zeigt. Das entscheidende, was ich dir heute gern näher bringen möchte ist:

 

  • Du hast wahrscheinlich Gefühle oder auch innere Kind-Anteile, die nicht genau einer Erfahrung oder Erinnerung zu zuordnen sind
  • Du hast vielleicht immer wiederkehrende Beziehungs-Enttäuschungen oder auch finanzielle oder körperliche Probleme, die sich einfach nicht lösen und verändern lassen, obwohl du eben schon so viel gemacht hast.

 

Aus meiner Praxis hat sich wieder und wieder gezeigt:

  • Wir nehmen Trauma-Kind-Anteile von nahen Bezugspersonen als Folge von Liebes-, von Identitäts, von Bindungs-, von Entwicklungs- und auch Gewalttraumata in uns auf.
  • Wir nehmen in ganz schlimmen Erfahrungen sogar die Täter (Täterintrojekte) in uns auf! Dass kann genauso gut eine Mutter sein, die uns nicht schützt, nicht liebt, nicht will. Wie auch ein Vater, ein Onkel, ein Großvater – der uns Gewalt zufügt oder auch – nicht schützt, nicht liebt, nicht will.

Wie entsteht so eine Symbiose?

Nehmen wir mal ein kleines Mädchen und nennen sie Annabel, sie wächst bei Eltern auf, die beide als Kinder den Krieg erlebt haben. Ihre Mutter hat als Kind ungeschützt sexuelle Übergriffe von Soldaten erfahren. Dazu monatelanges Verstecken, Hungern, Not ohne Ende.

In solchen Situationen ist für das Kind (also die Mutter als Kind) Lebensgefahr und kann nicht:

  • Das eigene „Ich“
  • Eine reale Wahrnehmung
  • Ein eigenes „Fühlen“
  • Den realen Bezug zu den Personen
  • Den Bezug zum eigenen Körper

dalassen.

Es ist nicht zu verarbeiten. Diese Mutter, die diesen grausamen Überfall der Soldaten als Kind erfahren musste (und da gibt es viele weitere Beispiele, die diese Spaltung in uns bewirken) spaltet sich in diesem Moment – um zu überleben! Das Überleben gelingt und es wächst eine Frau heran, die all die grausamen, schmerzhaften und nicht zu bewältigenden Erinnerungen und

  • Persönlichkeitsanteile: Trauma-Ich-Anteile

In sich trägt. Also in dem Moment, wo die Spaltung passiert, ist der Trauma-Ich-Kind-Anteil genau in der Situation wie eingefroren, er entwickelt sich nicht weiter. Der Trauma-Anteil versteckt sich weiterhin und fühlt sich permanent in Not und Bedrohung! Auch wenn die Mutter von Annabel schon erwachsen ist.

 

Jetzt kommt Annabel auf die Welt. Und Annabel braucht natürlich, eigentlich schon pränatal – im Bauch der Mutter, das Gefühl:

Willkommen

Geliebt

Gesehen

Geschützte

Gefördert zu sein

Eine Mutter, die so grausames selbst erfahren hat, wird dies nur zum Teil können, in dem sie sich vielleicht einfach Mühe gibt, oder gar nicht. Letzteres kann gut der Fall sein. Gar nicht.

Oft wird es sogar noch schlimmer: diese Mutter musste ja ihr eigenes, innere Kind mit all den Erinnerungen, dem Schmerz und der Angst abspalten, um zu überleben. Jetzt kann es gut sein, dass in Folge dessen weder zärtliche Nähe noch Liebe zur eigenen Tochter zulassen kann, zu schnell ist sie selbst angetriggert und will das verhindern. Sie lehnt wahrscheinlich ihr Kind ab! Es kann sogar sein, dass sie der eigenen Tochter Gewalt zufügt, sie schlägt und abwertet. Unbewusst und trotzdem ist sie natürlich ihrer Tochter gegenüber Täterin – weil ihr Verhalten Folgen trägt.

Würde sie es wissen, könnte sie sofort damit anders umgehen, bzw. umgehen lernen. Aber, wie die meisten in dieser Generation (unsere Eltern und Großeltern) weiß sie es nicht und ist gleichzeitig auch unendlich bedürftig nach Nähe, nach Liebe, nach Sicherheit.

Ja, und nun wieder zu Annabel: Annabel muss sich nun in Folge von ihren eigenen Erfahrungen der Nähe mit ihrer Mutter auch spalten. Sie entwickelt wahrscheinlich:

  • Helfer-Überlebens-Ich-Anteil, mit dem sie versucht, der Mutter zu helfen und sich selbst dabei ein scheinbares Gefühl von Sicherheit vermittelt

 

  • Sie erlebt nun selbst das Trauma der Liebe (nach der IoPT von Prof. Franz Ruppert), ihrer Identität und auch ein Trauma mit wahrscheinlich vermischten und übergriffigen sexuellen Gefühlen (dazu nochmal mehr in einem anderen Text), weil sie weder gesehen, geliebt, gewollt, gefühlt, verstanden und so richtig willkommen ist.
  • Sie spaltet nun auch als Folge von dem für sie als Kind nicht zu verarbeitenden Schmerz ihr eigenes „Ich“-Bewusstsein ab und nimmt, um überhaupt a) in Bindung zu kommen und b) etwas zu fühlen
  • Die Trauma-Kind-Anteile der Mutter wie die eigenen in sich auf.

 

  • Sie hat den Bezug zur ihrem Körper verloren (wäre ohne Verständnis nicht aushaltbar, und fühlt aber wieder und wieder das Trauma ihrer Mutter!)
  • Sie hat Probleme, in Beziehungen zu erkennen: wer ist gut und wer ist böse. Wem kann ich vertrauen? Wie kann ich in Nähe bleiben, ohne diesen Dauerstress im Körper?

Annabel hat übrigens heute in ihrem Erwachsenen-Leben noch keine Liebesbeziehung gelebt. Einzig in der Fantasie und oft auch im Drama hat (scheinbare) Nähe und Enttäuschung stattgefunden. Inzwischen verändert sie sich sehr. Sie ist ganz oft sie selbst, sie kann sich entspannen, kann unterscheiden und oft schon normalen, guten Kontakt erkennen und auch genießen. Sie entwickelt immer mehr den Mut, nun auch reale Schritte in Richtung Beziehung überhaupt zu gehen.

Meine Erfahrungen in der Trauma- und Bindungsarbeit:

Diese Trauma-Kind-Anteile finden wir, zb. Auch mit dem Aufstellen des Anliegensatzes nach Prof. Franz Ruppert, wieder und wieder. Wir arbeiten dort mit einzelnen Wörter in Resonanz.

Du erkennst dann auf einmal, da ist ein Kind, was du selbst nicht bist. Und – und das ist das entscheide: das Kind taucht in deinen „Ich-Anteilen“, oder in deinem „mein“-Anteilen auf!

Du lernst dann mit mir gemeinsam, das zu erkennen und zu verstehen. Ohne das du dich dabei verlierst, sondern gut mit mir gemeinsam in der Gegenwart bleiben kannst.

Du erkennst auch, dass du vielleicht die Opfer- und Täteranteile von deinen nahen Bezugspersonen auch zu deinen eigenen gemacht hast. Dann ist dein „Ich“ vielleicht sogar männlich, vielleicht sogar übergriffig, zerstörerisch oder ablehnend. Das kann gleichzeitig erschütternd sein, wie auch erleichternd, weil nur im Kontakt mit den eigenen Anteilen gibt es eine Lösung aus deinen endlosen Schleifen, die du wahrscheinlich kennst.

 

Diese Erkennen und Verstehen von den Traumafolgen hilft dir erstmal zu verstehen, warum dir bis jetzt durch dein Fühlen und z.b. durch deine innere Kind – Arbeit noch nicht die ersehnte Veränderung gelungen ist.

Dein gesundes Ich entwickeln:

Und auch hier bei Annabel, nun Erwachsen ist der für sie alles verändernde Selbstheilungsprozess:

  • Wirklich verstehen zu wollen, wie war es für mich selbst als Kind in der Beziehung zu meiner Mutter
  • Wirklich erkennen und auch unterscheiden zu wollen, was sind meine eigenen Gefühle

 

  • Einen gesunden Willen zu entwickeln, das eigene zu erkennen, zu verstehen und gut für sich selbst sorgen zu lernen.

 

Die Unterscheidungsfähigkeit (ich nenne es das 2 Ebenen-Prinzip) zu lernen,

– wer bin ich heute wirklich

– was ist Vergangenheit, was ist Gegenwart

– wo bin ich es als Kind

– und was gehört zu meiner Mutter, Eltern

Diese nun neu gewonnen Klarheit ist wie ein Boden unter deinen Füßen. Es ist ein Stück Ordnung, was dir wirklich Halt geben kann. Verstehen, also wirklich die Zusammenhänge zu verstehen und echtes, verbindendes Mitgefühl zu entwickeln war und ist für mich der Schlüssel für gesunde Beziehungen und meine Selbstheilung.

Durch meine eigenen Entwicklungsprozesse und der berührenden Bindungsarbeit, die ich begleiten darf, bekommen ich ein immer tiefer werdendes Feingefühl und kann dir den Zusammenhang in achtsamen Worten so wiedergeben, dass du und deine eigenen inneren Anteile sich (endlich!) gesehen und verstanden fühlen. Nähe und Kontakt kann so entstehen.

Allein durch dieses Mitgefühl geht der Prozess in dir weiter.

Du kannst dir damit näherkommen, wenn du wirklich verstehst und dein eigenes Fühlen lernst!

Das ist auch für mich sehr erfüllend und nährend, dass trotz all der Schwere, der Angst und dem Leid, was ich selbst erfahren habe.

Ich hoffe, du konntest nun ein wenig mehr zu deinem Verhalten und vielleicht auch deinen Beziehungserfahrungen verstehen. Wenn du dazu etwas erzählen oder fragen möchtest, von Herzen gern, ich freu mich.

 

Sabine

 

 

 

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