Schmerzhafter Kontaktabbruch – Rückzug in Beziehungen und die Wirkung von mehrgenerationalen Bindungstraumata (nach Prof. Franz Ruppert)

Schmerzhafter Kontaktabbruch – Rückzug in Beziehungen und die Wirkung von mehrgenerationalen Bindungstraumata (nach Prof. Franz Ruppert)

By am Jun 25, 2015 in Aus meiner Arbeit | 6 Kommentare

Kennst du plötzlichen oder langsamen Rückzug von einem geliebten Menschen in deinem Leben? Ein Partner, eine Partnerin – die auf einmal sich nicht mehr meldet, jemand, der plötzlich seine Liebe für dich nicht mehr fühlt und in dir fühlt es sich an, als würdest du den Boden unter deinen Füßen verlieren. Oder du bist so wütend, so verletzt über das Verhalten deines Partners, das du dich selbst zurückziehst und vielleicht sogar den Kontakt ganz abbrichst. Und das ganze Elend bricht über einen herein….:

• wieder allein

•  was habe ich falsch gemacht

• warum liebt er/sie mich nicht?

• weshalb ist es nur so schwierig?

• warum kann ich nicht in einer glücklichen, verbindlichen Partnerschaft leben?

Meist haben die Kundinnen und Kunden, die zu mir mit diesen Themen kommen, schon mehrfach ähnliche Erlebnisse mit Rückzug und Trennungen gehabt, jedesmal wieder so schmerzhaft und antriggernd, das sie sich tagelang einfach nur entsetzlich fühlen. 

Ohnmacht, Hilflosigkeit, tiefes Fallen, unglaubliche Wut, Scham, Starre, Verzweiflung, Verwirrung und Rachegedanken könnten dem folgen. Auch – warum leben ich überhaupt – wenn mich eh niemand liebt?

Wir Menschen ,wir alle, wir brauchen Kontakt, wir brauchen Liebe und wir brauchen immer mal wieder Nähe, Geborgenheit und ein echtes Ankommen können.

Mohnblume1SabineHerm

Ankommen, in glücklichen Beziehungen, mit dir und mit anderen!

Ich selbst habe auch die verzweifelte Sehnsucht nach Liebe, nach Beziehung, nach einem Ankommen und die Sehnsucht, das doch nun endlich alles gut wird, jahrelang in mir getragen.

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„Endlich Ankommen und endlich geliebt werden“

kann natürlich nur mit DIR SELBST beginnen. In den allermeisten Fällen hat das „verlassen-sein“, der „Kontakt-Abbruch“, die totale „Hilflosigkeit und Abhängigkeit“ schon VOR der Trennung IN DIR stattgefunden. Du hast es nur noch nicht gemerkt, gefühlt und realisiert. Oder du weißt vielleicht schon, wie sehr du dich alleine und ungebunden fühlst und hoffst mit aller Kraft, eine glückliche Liebesbeziehung würde dies nun endlich ändern.

Leider kann kein liebender Mann der Welt, keine noch so liebende Frau der Welt, diese Trennung in dir, das „Fehlende“ in dir heilen, erlösen und wegmachen.

Geht nicht.

Hab es selbst oft probiert ;-)… und inzwischen verstanden und gefühlt, warum es nicht möglich ist. UND ich weiß nun, wie es sich anders anfühlt ♥.

Damit du das auch verstehen kannst, möchte ich dich gern einladen, falls du an einer echten und dauerhaften Änderung in dir und in deinem Liebesleben interessiert bist, mir ein Stückchen hier in meinem Artikel für dich,  zu folgen. 

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Fangen wir zu Kriegszeiten (2.Weltkrieg in Deutschland) an:

die Frauen, die während, kurz davor und kurz danach, ihre Kinder geboren haben – hatten extrem schwere Zeiten.

Es gab Hunger, es gab Gewalt und es gab rundum Ängste.

Es gab immense Verluste ihrer Männer und Söhne und es gab reihenweise sexuelle und gewalttätige Übergriffen an Frauen, an Kindern und auch unter den Soldaten. Viele Mütter erzählen, das sie während (!!) der Schwangerschaft oder mit ganz kleinen Kinder oft in den Luftschutzkeller gingen, bei Bombenangriffen. Das sie sich verstecken mussten, oft auf erbärmlichste Art und Weise, wenn Soldaten, von denen Gewalt drohte, durch die Dörfer und Städte zogen. 

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Ich glaube, es ist für meine Generation und unsere Kinder, fast gar nicht nachvollziehbar, wie schrecklich und wie traumatisch das für unsere Eltern und Großeltern wirklich war. 

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Ein Baby, was in diesen Zeiten aufwächst –

erlebt eine Mutter in permanenter NOT.

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Wie soll eine Mutter sich in dieser Zeit entspannen, sicher fühlen, Liebe fühlen und ein Kind schützen, wenn sie selbst Todesangst und Verzweiflung fühlt?

Das Kind nimmt sozusagen – symbiotisch die Gefühle der Mutter auf – weil es  BINDUNG braucht, um zu überleben. Wir wissen heute, aus vielen Forschungen und der Traumaarbeit: wenn die Bindung nicht über gesunde Resonanz, Fürsorge und Freundlichkeit stattfinden kann, dann binden und verschmelzen wir eben mit dem, was wir kriegen können. Und das sind die Traumagefühle unserer Mütter und Großmütter.

Das ist dann keine Weitergabe von „Mustern“…sondern dies sind echte, schmerzhafte und verwirrende „Bindungstraumata“…

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Da ich ja jede Woche mehrere Aufstellungen mit dem Anliegen persönlich und stellvertretend begleite, habe ich immer mal wieder ansatzweise das fühlen können, was die Frauen damals erleiden mussten, verdrängt haben und was aber immer noch (im Aufstellungsfeld und oft eben auch in uns Kindern und Enkelkinder!) fühlbar ist. 

MutterKindSymbiose Kopie

In den Aufstellungen zeigen sich dann die eigene, verdrängte Anteile zum Beispiel so:

– ich fühle mich total unverbunden in einer Kugel, kann zwar in die Nähe der Mutter, aber habe keinen echten Kontakt – und sie auch nicht, da ist eine tiefe Traurigkeit

– ich bin wie hinter einer Mauer, geschützt, fühle gar nichts, manchmal kommt da Angst 

– ich fühle mich wie in einem Ei, da ist eine Schale, eine Wand, ich bin emotionslos und kann keine klare Richtung finden, schwebe wie im All

…das sind nur ein paar Beispiele…wie es sich anfühlen könnte, an den Folgen von einem Bindungstraumata zu leiden – und selbst, schon von ganz früh, gespalten zu sein.

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Wir können dies nicht einfach nur verstehen und zurückgeben…ohne das wir lernen:

IN BINDUNG mit uns SELBST zu kommen.

Und diesen so notwendigen, so heilsamen Kontakt, von unserem verständnisvollen und einfühlsamen Ich-Anteil heraus, verändert dann endlich, endlich das ganze Beziehungsleid und Drama, weil wir in uns selbst Ankommen können.

Weil wir uns dann auf einmal in uns selbst zu Hause, geborgen und in Kontakt fühlen.

Das ist dann warm, liebevoll, klar, kraftvoll, nährend und diese Liste lässt sich hier noch mehr erweitern! 

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Dazu brauchst du allerdings, gegeben falls mit kompetenter Unterstützung, Schritt für Schritt den Mut und den Kontakt, deine abgespaltenen Erinnerungen und Trauma-Ich-Anteile zu verstehen und zu fühlen.

Wie das genau geht, schreibe ich in Kürze in einem nächsten Artikel. Da ich diesen Prozess nun mehrfach selbst durchlebt und durchschritten haben, regelmäßig ganz wundervolle, mutige Frauen und Männer dabei begleite,  kann ich dir von ganzen Herzen Mut machen: das ist wirklich machbar und es lohnt sich!

Heute, als Erwachsene, sind wir in der Lage, all diese Gefühle, die UNS FEHLEN, die zu uns gehören – zu verstehen und zu integrieren.

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In gesunden Beziehungen

ist es auch möglich, sich zu trennen, wenn wir uns nicht mehr von ganzen Herzen lieben und miteinander weiter entwicklen oder leben möchten. In einer gesunden Beziehungen ist für keinen der Beteiligten lebensbedrohlich, alleine zu sein und zu leben. Jeder hat dann in sich selbst Halt, Freude und auch noch andere Freunde, die dem Leben Sinn und Freude geben. 

Wir können Ganz Werden indem wir aus Symbiosen, die uns schaden herausfinden und gesunde, reale und nähren Kontakte – in uns – und in unseren Beziehungen lernen.

Bei weiteren Fragen bin ich gern da!

Herzlichst, Sabine

Die Erkenntnisse basieren auf den mehrgenerationalen Trauma- und Bindungsgrundlagen von Prof. Franz Ruppert aus München, aus meinem eigenen Heilungs- und Erkenntnsiweg und aus meinen Beratungen (nun seit 9 Jahren).

Die Figuren auf dem Fotos sind von www.stellaufmaenchen.de

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    6 Kommentare

  1. Dieser Artikel ist sehr einfühlsam und wissend geschrieben und erklärt so Vieles.
    Wenn nur jeder darum wüsste und sich helfen lassen würde, diese alten Prägungen zu erkennen und aufzulösen, wäre die Welt ein großes Stück heiler.

    Was mich sehr berührt ist die Tatsache, dass wir in einer Zeit leben, die immer mehr gebrochene und traumatisierte Menschen hervorbringt ( Kriege, Flüchtlinge, Menschen, die unendliches Leider erleben usw…)

    Die jetzigen Prägungen und Erfahrungen werden einen Großteil der Menschen jetzt und in der Zukunft zu stark traumatisierten Menschen machen, die sich dann wieder in Gewalt, Hass, Unmenschlichkiet ausdrücken (natürlich neben denen, die das Glück haben, zu erkennen und zu verarbeiten).

    So dreht sich die Spirale weiter und die einzige Chance ist, dass es immer mehr Menschen gibt, die um die Vorgänge wissen und mit ihrer Erfahrung (Familienstellen, Clearing usw.)Hilfe geben können.

    Petra

    Petra

    21. März 2016

  2. Sehr schöner Artikel und vor allem in allem was Du darin beschreibst für mich absolut nachvollziehbar.
    Die fehlende Bindung zu uns selbst und die daraus resultierenden
    tiefgreifenden Prozesse fordern sehr viel Kraft. Es ist eine Riesenherausforderung alle dabei aufkommenden Gefühle zuzulassen ohne zu bewerten. Manchmal überfordert die Angst und die tiefe Traurigkeit in dieser spürbaren Haltlosigkeit.

    Aber die Sehnsucht nach Heilung ist groß, deshalb lohnt es sich diesen Weg zu gehen. Es braucht hin und wieder Unterstützung, aber in letzter Konsequenz muss man durch die aufwühlenden Gefühle ganz allein durch – mit sich selbst.

    Vielleicht begegne ich auch Dir noch auf diesem Weg – danke jedenfalls für Deine Worte in Deinen Texten, die das ausdrücken,was die Seele versteht.

    Alles Liebe Dir von Herzen
    Karin

    Karin

    28. Januar 2016

  3. Das habe ich auch erlebt.Alte u. sehr alte Klienten berichteten von vielen schmerzhaften Erfahrungen aus der Zeit des 2. Weltkrieges.Zbsp. mußte eine Frau ihr Neugeborenes auf der Flucht im Straßengraben begraben weil sie keine Milch hatte.Viele alte Leute sind traumatisiert dadurch.das wirkt sich heute noch auf ihre Kinder u. Enkelkinder aus.Auch ich selbst habe an Gefühlskälte in meiner Kindheit gelitten.Das hat mich geprägt u. unter anderem von meinen eigenen Gefühlen ,von mir selbst getrennt.Ich habe das alles selbst mit der Zeit aufgearbeitet u. jetzt erst,mit 51 Jahren habe ich zu mir selbst gefunden.Nun habe ich eine liebevolle Beziehung zu mir selbst ,alles andere kommt von allein.Andere Beziehungen heilen.Jetzt bin ich erstmals glücklich

    Birgit

    2. Juli 2015

    • Liebe Birgit,
      ja, das ist unglaubliches Leid und die Folgen spüren wir alle noch. Wie schön, das es dir gelungen ist, in dir anzukommen und die Wunden zu heilen!

      Von Herzen alles Gute,

      Sabine

      Sabine

      3. Juli 2015

  4. SCHÖNER Artikel. Leider bist du in Deutschland und ich in Österreich.

    Claudia

    1. Juli 2015

    • Hey ich bin auch in Österreich, und habe sehr viele Erfahrung in emotionale Traumata, wäre super sich auszutauschen..
      Lg
      Mara

      Mara Cimino

      22. März 2016

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